first day first

01. Jänner 2021, 6:40 Uhr, Wecker klingelt…

Der Plan: das Erwachen der Stadt am ersten Tag des Jahres voller Hoffnungen festhalten!

Das Ergebnis: leicht verkatert durch die sehr nebeligen Straßen Wiens spaziert … 

… Bett verlassen, anziehen, Klo … Instagram öffnen … Storys der Nacht … 

Die Storys beinhalteten alle dasselbe … zwei wesentliche Inhalte: “fuck off 2020, welcome 2021” oder “alles ist ganz normal und wir feiern Silvester, als wäre nie was gewesen” … 

Beides fühlt sich für mich falsch an!

2020 war sicher das intensivste Jahr meines bisherigen Lebens und ich kann nur hoffen, dass 2021 ähnlich aufregend und vielfältig wird! Parallel dazu – feiern mit Freunden und Familie? Kann man das guten Gewissens? Wir alle wollen, dass die Beschränkungen endlich enden, dass man ausgehen kann, WEIL Corona uns wieder (wenigstens weitestgehend) in Ruhe lässt und nicht trotz dass Corona uns nervt und wir verdrängen das mal für eine Nacht.

… ich öffne die Wohnungstür, das Licht im Flur geht an, ich drehe mich um, um abzuschließen. Die Fenster im Flur sind beschlagen, die Nebeltropfen verlaufen teilweise … Die Dunkelheit und das warme Licht vermitteln nicht gerade eine “das neue Jahr bricht an” – Stimmung … eher eine “wieder einer dieser Tage” – Laune … 

Sei es drum!

Nach den ersten Metern in Richtung ‘weg von der Wohnung’ sehe ich eine halbleere Flasche Bier … oder halb voll?! Sie lässt einen an Bilder vergangener Silvester denken … leere Flaschen, wo man auch hinsieht … dieses Jahr immerhin eine halb geleerte Flasche Bier … Warum halb geleert?! 

Eine alte Wienerin kam mir entgegen … Sie muss Wienerin gewesen sein! Auf mein, zugegeben nicht unbedingt beschwingtes, “Guten Morgen” antwortete sie mit einem grantigen Blick und einem ebenso energischen Marsch in die mir entgegengesetzte Richtung. 

Ich biege um, gehe die Westbahnstraße hinauf in Richtung ‘Oben’ – meinen Platz der Ruhe nach langen Tagen oder verrückten Nächten … von dort sehe ich über die Stadt und habe so nicht nur einen Überblick über Wien …

Mein kleiner Umweg, ich war für einen Sonnenaufgang eh zu früh dran, brachte mich schließlich auf die Ringstraße.

… eine sehr leere Ringstraße … nicht nur leer … auch sehr still … 
Generell war der Morgen irgendwie auffällig … still … 

Am Fuß der Treppe nach ‘Oben’ angekommen, blickte ich auf die ersten Stufen.

… auf dem Weg die Stiegen hinauf fast ein alltägliches Bild: ein paar Dosen RedBull … und zwei Batterien Feuerwerk, Zigarettenstümmel … kein Vergleich zu letztem Jahr!

Am Ende der Stiegen angekommen, suchte ich mir einen halbwegs sauberen Platz, setzte mich und schaute … ins Nichts … 
Fast symbolisch für die Ungewissheit, was das neue Jahr bringen mag – normalerweise sieht man von hier sehr weit – sah ich heute nicht mal bis zur Mahü. 

… dafür fühle ich … nasse Kälte, leichten Wind … komischerweise erinnere ich mich an keinen Geruch; ein paar wenige Autos, leere Straßenbahnen … schleichen aus dem Nebel hervor… 

Was man weiß: Auf Nebel folgt Sonnenschein! Hinter dem Nebel geht es weiter, man muss nur ein bisschen in die gewünschte Richtung gehen, um mehr zu sehen – irgendwann Sonne!

Was man weiß: So, wie es ist, wird es nicht weitergehen. Wir müssen alle nur ein bisschen was tun – irgendwann ‘Normalität’! 

… Ein bisschen was! … Erinnerung an die gesehenen Storys … hmm … vielleicht doch ein wenig Ärger über die, die die Regeln ignorieren … als wäre Silvester so wichtig, als wäre Silvester der einzige Abend im Jahr, an dem man mit Freunden und Familie lachen kann … als wäre es das letzte Silvester, was wir erleben?! 

Ich bin nicht alleine auf der Treppe … neben mir ein Typ, etwa 30 Jahre alt, schwarze Locken, Mantel, frustrierter Blick, der Versuch mich anzulächeln … er umklammert fast verzweifelt sein Handy, als würde er auf eine Nachricht warten, von der sein weiteres Leben abhängt … 

Als ich mich für einen geeigneten Sitzplatz entschieden hatte, lächelten wir uns doch noch an und er schenkte mir ein überraschend freundliches “Guten Morgen” – warum nicht “Gesundes Neues!” oder wienerischer “Prosit Neujahr!”? 

Egal – nachdem die gesellschaftlichen Regeln erfüllt sind, wenden wir uns wieder unseren Gedanken zu … 
Ist es das – das neue Jahr, in welches den gesamten Dezember über so viel Hoffnung gesteckt wurde?! 

Als würde den beiden Jahren der Abschied schwer fallen: “Noch ein bisschen 2020, komm schon!” Aber irgendwann muss 2020 enden! Und dann kann sich das neue Jahr frei entwickeln … oder?

Ich stehe auf, gehe die Stiegen wieder hinunter, Fußgängerampel, rot, warum auch immer, eh keine Autos. 

Ich laufe bergab zurück nach Hause und entdecke auf einer Fensterbank …

… hoffen wir, dass auch 2021 sich von Altem trennen kann und sein eigenes Ding macht! 

Mal abgesehen vom Inhalt des ehemaligen Inhalts der Hülle … Wie kommt eine VHS-Hülle auf diese Fensterbank?! 

Ein paar Meter weiter ein weiteres Indiz dafür, dass die Leute versucht haben, ein wenig Partystimmung zu spielen …

… der klägliche Überrest einer versuchten Nacht … 

2021! Na Servus! Geh’ mas an!

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