after before after

Endlich Sonne! Und frei!
Der Zentralfriedhof zieht mich zu jeder Jahreszeit an! Ich genieße beim Spaziergang dort die Luft, die Ruhe und die vielen Details, die Lichtspiele, die sich durch den Charakter des Ortes ergeben … und das darüber Nachdenken, in welcher Zeit, unter welchen Bedingungen die zu den Grabsteinen gehörenden Menschen gelebt haben, was ihre Familien ausmachte und woran sie gestorben sein könnten … man macht sich auf entspannte und angenehme Art die eigene Vergänglichkeit bewusst.

… eine kleine Zeitreise ist es außerdem … 
Die Reise beginnt für mich mit der U3, U-Bahn, modern, sauber, sicher, von heute.

Am Enkplatz treffe ich mich mit einem Freund. 

… wenig später der Umstieg in die Straßenbahn – die nächste Epoche. 
Wir haben das Glück, in einer alten Bim fahren zu dürfen (mein zweites Mal seit ich in Wien bin)! Die 60er sind da. 

Heute habe ich eine Fujifilm-Kamera dabei, die fügt sich gut in diesen Retrocharme ein! 

“Zentralfriedhof, Tor 1”, sagt die Roboterdame. Hier steigen wir aus, denn hier ist der für mich schönste Teil des Wiener Zentralfriedhofs: der alte jüdische Friedhof.

… ich glaube, das Bild oben zeigt gut, warum ich den alten jüdischen Friedhof so mag: eben nicht nur wegen der Gedanken, die er in Gang setzt … 

Ich liebe es, hier zu spazieren, wenn die Sonne schon tiefer steht!

Durch das schlechte Wetter der letzten Tage waren die Wege nass, so wirkte alles noch kontrastreicher, die Sonne sank tiefer.

Wir spazierten weiter, plauderten … 
… und so entdeckte auch ich heute etwas Neues. 
Die Gärtnerei am hinteren Ende des Friedhofs kannte ich noch nicht … und im Licht des späten Dezembernachmittags wirkte es ein bisschen wie aus einer anderen Zeit! 

Durch die offene Tür konnte man hineinsehen:
in eine Friedhofsgärtnerei, deren Eingang den zentralen Flur offenbart, der am Ende des Tages durch das große Rückfenster von der Abendsonne mit Licht durchflutet wird … 
Am Ende des Tages geht man hinein, 
hinein in das Licht … – ob das so geplant war?

… nächster Halt: die 50er, Nevada, Tal des Todes, der Tank des Mustangs ist leer. Schweiß auf der Stirn.
… okay, ja … aber ich meine, mit Fantasie ist Spazieren viel aufregender, oder?!
Und die tieferstehende Sonne machte die Zeitreise perfekt!
… gut, zugegeben, es ist Dezember in Österreich … Schweiß auf der Stirn … frieren und Reißverschluss bis unters Kinn zumachen, war eher das, was passiert ist, aber Du darfst dich vollständig in die 50er denken!

Zurück aus dem Death Valley stand die Sonne bereits nicht mehr nur tief, sie war bereits am Untergehen. 

Zum Glück kamen am Abend doch noch ein paar Wolken, die das Licht der verschwindenden Sonne in ein zartes Spiel aus orange, rosa und blau verwandelten … darunter: die massive Kirche, das Zentrum des Zentralfriedhofs – sowohl ästhetisch als auch irgendwie bedrohlich.

Was für ein würdiger und positiver Abschluss dieses kleinen Spaziergangs, oder?!

… und auch auf der Rückfahrt wurden wir von Geräuschen und Gefühlen der 50er sanft zurück in unsere Zeit befördert. 

Tja … und dann wechselte ich die Musik beim Bearbeiten der Bilder … 
… so wurde aus dem friedlichen Nachmittag …

… eine gedankliche Reise in eine finsterere Welt …

… im geistigen Ohr werden aus Vögeln krächzende Raben und aus friedlich in Abendsonne gebadeten Grabsteinen längst vergangener Jahrzehnte Tore zu einer Welt … in schwarzweiß …

… jetzt siehst Du es auch, oder? Das Bedrohliche des Gebäudes …

… und aus der Vintage-Bim, die zurück ins Hier und Jetzt fährt, wird ein lauter, wackelnder und quietschender Zug, der in die entgegengesetzte Richtung des Zuges fährt, der irgendwie in eine optimistischere, hellere Richtung zu fahren scheint … 

… weiß ja nicht, wies Dir geht … aber ich find’ Musik schon intensiv!

… Ach ja, viel Spaß beim Grübeln über den Titel 😉

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it’s me!? - it is! isn’t it!?